Warum verkaufen Polen ihre Wohnungen so schnell? Was deutsche Käufer oft nicht verstehen

· David Lis, M.Sc., Immobilienmakler (IHK)

Immobilienmarkt Polen · Ratgeber für deutsche Käufer · Lesezeit ca. 9 Minuten

Kurz gesagt

Eine fast neue Eigentumswohnung, hochwertig eingerichtet, kaum genutzt – und schon steht sie wieder zum Verkauf. Viele deutsche Kaufinteressenten werden da misstrauisch. In Polen ist so ein Verkauf allerdings nichts Ungewöhnliches: Laut polnischer Nationalbank verkauften 2025 auf den untersuchten Märkten 42 % der Eigentümer, um ihre Wohnsituation zu verbessern, weitere 16 % wegen eines Wohnortwechsels. Dazu kommen eine Spekulationsfrist von fünf statt zehn Jahren und eine Eigentumsquote von 87 %. Ein schneller Wiederverkauf ist deshalb kein Beweis für eine schlechte Immobilie – prüfen sollte man sie trotzdem.

„Herr Lis, warum verkauft der Eigentümer schon wieder?“

Eine Frage bekomme ich von meinen deutschen Kunden immer wieder gestellt:

„Herr Lis, die Wohnung ist doch erst drei Jahre alt. Alles ist neu, sogar die Möbel bleiben drin. Warum verkauft der Eigentümer schon wieder? Da muss doch irgendetwas sein.“

Solche Fragen höre ich besonders häufig bei Besichtigungen von neueren Eigentumswohnungen an der polnischen Ostsee, aber auch in Städten wie Breslau oder Posen.

Viele deutsche Interessenten vermuten sofort einen Haken. Vielleicht gibt es Probleme mit dem Gebäude, hohe Nebenkosten, schwierige Nachbarn oder versteckte Mängel. Natürlich kann das vorkommen, und deshalb muss man solche Dinge vor dem Kauf auch prüfen.

Aber nach meiner Erfahrung ist der Grund für einen schnellen Wiederverkauf oft ziemlich unspektakulär. Die Familie braucht eine größere Wohnung. Der Eigentümer hat sich für einen Hausbau entschieden. Jemand zieht beruflich in eine andere Stadt. Oder eine ursprünglich gekaufte Ferienwohnung wird einfach nicht mehr so häufig genutzt wie geplant.

Was deutschen Käufern manchmal merkwürdig vorkommt, ist für viele polnische Eigentümer eine ganz normale Entscheidung. Und damit sind wir bei einem Unterschied, den ich zwischen dem deutschen und polnischen Immobilienmarkt schon länger beobachte.

In Deutschland kauft man häufig fürs Leben. In Polen nicht unbedingt.

Ich habe den Eindruck, dass viele Deutsche eine Immobilie anders betrachten als Polen. In Deutschland ist der Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung häufig eine Entscheidung fürs Leben. Man sucht lange, prüft, vergleicht und überlegt, ob die Immobilie wirklich zu einem passt. Nicht nur heute, sondern möglichst auch noch in 20 oder 30 Jahren.

Das erlebe ich regelmäßig bei deutschen Käufern, die eine Immobilie in Polen erwerben möchten. Da werden manchmal Fragen gestellt, die weit in die Zukunft reichen: Ist die Wohnung später noch groß genug? Was passiert, wenn wir älter werden? Können wir dort auch im Ruhestand wohnen? Und was ist, wenn wir irgendwann verkaufen müssen?

Alles berechtigte Überlegungen. Ich habe nur manchmal das Gefühl, dass deutsche Käufer versuchen, bereits heute eine Entscheidung für ihr gesamtes restliches Leben zu treffen.

Auf dem polnischen Immobilienmarkt erlebe ich häufig einen anderen Umgang. Man kauft eine Wohnung, weil sie jetzt zur Lebenssituation passt. Wenn sich die Lebensumstände ändern, wird sie eben wieder verkauft.

Ein junges Paar kauft eine Zweizimmerwohnung in Posen. Einige Jahre später kommt Nachwuchs dazu und die Wohnung wird zu klein. Also verkauft man sie und kauft eine größere. Vielleicht folgt irgendwann ein Einfamilienhaus außerhalb der Stadt.

In Polen gibt es dafür einen passenden Begriff: poprawa warunków mieszkaniowych – Verbesserung der Wohnverhältnisse. Die Immobilie ist dann nicht zwangsläufig das endgültige Zuhause, sondern auch ein Schritt in der persönlichen Lebensplanung.

Natürlich lässt sich das nicht auf jeden Deutschen oder Polen übertragen. Aber ich sehe diese unterschiedliche Einstellung in meiner täglichen Arbeit immer wieder.

Was sagen die Zahlen? 42 % verkaufen für eine bessere Wohnsituation

Interessanterweise passt meine Beobachtung zu einer Untersuchung der polnischen Nationalbank (Narodowy Bank Polski, NBP). Für das Jahr 2025 wurden bei den untersuchten Weiterverkäufen von Eigentumswohnungen folgende Verkaufsgründe erfasst:

42 %
verkaufen für eine bessere Wohnsituation
16 %
verkaufen wegen Wohnortwechsel
12 %
realisieren eine geplante Investition
58 %
zusammen: bessere Wohnung oder neuer Wohnort
Verkaufsgründe bei Weiterverkäufen von Eigentumswohnungen in Polen, 2025 (NBP)
VerkaufsgrundAnteil
Verbesserung der Wohnverhältnisse42 %
Wechsel des Wohnortes16 %
Realisierung einer geplanten Investition12 %

Quelle: NBP, Untersuchung des polnischen Immobilienmarktes 2025, veröffentlicht 2026

Das bedeutet: Bei den untersuchten Verkäufen erfolgten 58 % aufgrund einer Verbesserung der Wohnverhältnisse oder eines Wohnortwechsels.

Die Zahlen stammen aus den von der NBP untersuchten städtischen Wohnungsmärkten. Sie sind keine allgemeine Statistik darüber, wie lange alle polnischen Eigentümer ihre Immobilien behalten. Trotzdem zeigen sie deutlich, dass der Wechsel in eine andere Immobilie auf dem polnischen Markt eine wichtige Rolle spielt.

Drei Beispiele aus meiner Arbeit: fast neu – und trotzdem wieder im Verkauf

Wie unspektakulär die Gründe in der Praxis sind, zeigen drei Wohnungen, die ich aktuell oder in den letzten Monaten begleitet habe.

Neubauwohnung in Swinemünde, Baujahr 2025, komplett eingerichtet – nach kurzer Zeit wieder im Verkauf
Swinemünde, Baujahr 2025: kaum gekauft, schon wieder verkauft. Der Eigentümer hat andere Pläne – an der Wohnung liegt es nicht.

Beispiel 1 · Ostsee

Baujahr 2025, komplett eingerichtet – der Eigentümer hat andere Pläne

Eine Wohnung in Swinemünde, 2025 fertiggestellt, vollständig möbliert, kaum bewohnt. Der Eigentümer verkauft, weil sich seine Pläne geändert haben – nicht, weil mit dem Haus oder der Wohnung etwas nicht stimmt. Für den Käufer heißt das: Neubau ohne Wartezeit, Einrichtung inklusive.

Wohnung in Breslau, von den Eltern für die Studienzeit gekauft, jetzt zum Verkauf
Breslau: gekauft als Wohnung für die Studienzeit, bezahlt von den Eltern. Jetzt ruft die Karriere in eine andere Stadt.

Beispiel 2 · Breslau

Gekauft für das Studium – jetzt ruft die Karriere woanders

Die Eltern haben die Wohnung für ein paar Jahre als vorübergehenden Wohnsitz während des Studiums gekauft, statt Miete zu zahlen. Das Studium ist abgeschlossen, der erste Arbeitsplatz liegt in einer ganz anderen Stadt. Die Wohnung hat ihren Zweck erfüllt und wird verkauft. In Polen ist dieser Weg – kaufen statt mieten, später weiterverkaufen – völlig üblich.

Ferienwohnung an der polnischen Ostsee, die der Eigentümer nach einem Jobwechsel wieder verkauft
Ferienwohnung an der Ostsee: Nach dem Jobwechsel bleibt weniger Freiraum für Urlaub – also wird verkauft.

Beispiel 3 · Ostsee

Neuer Job, weniger Urlaub – die Ferienwohnung wird verkauft

Hier ist der Verkaufsgrund schlicht: Nach einem Jobwechsel hat der Eigentümer weniger freie Zeit für Urlaubsaufenthalte an der Ostsee. Die Wohnung steht mehr leer, als sie genutzt wird. Statt sie zu halten, löst er das Kapital wieder. Kein Mangel, kein Streit mit der Hausverwaltung – ein neuer Alltag.

Für Käufer an der Ostsee, in Breslau oder Posen

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Auch auf dem Mietmarkt fällt mir dieser Unterschied auf

Was ich besonders interessant finde: Meinen Eindruck habe ich nicht nur beim Kauf und Verkauf von Immobilien. Auch auf dem Mietwohnungsmarkt beobachte ich Unterschiede.

In Deutschland ist es völlig normal, dass jemand 15, 20 oder sogar 30 Jahre in derselben Mietwohnung wohnt. Man kennt seine Nachbarn, hat sich eingerichtet, vielleicht die Küche selbst bezahlt und denkt gar nicht daran, noch einmal umzuziehen.

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2022 rund 2,7 Millionen deutsche Hauptmieterhaushalte, deren Mietverträge bereits vor 1999 abgeschlossen worden waren. Diese Mietverhältnisse bestanden also schon seit mehr als 23 Jahren.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus-Zusatzerhebung Wohnen 2022

Auf dem privaten polnischen Mietmarkt, insbesondere in Städten wie Warschau, Breslau oder Posen, nehme ich dagegen häufiger wahr, dass Menschen eine Wohnung für eine bestimmte Lebensphase mieten. Für das Studium, den ersten Arbeitsplatz oder die ersten gemeinsamen Jahre als Paar. Später folgt möglicherweise die nächste Mietwohnung oder direkt der Kauf einer eigenen Immobilie.

Hinzu kommt, dass auf dem polnischen privaten Mietmarkt häufig befristete Mietverträge abgeschlossen werden. In Deutschland sind dagegen unbefristete Mietverhältnisse üblich.

Allerdings muss man hier unterscheiden: Ein auf zwölf Monate befristeter Mietvertrag bedeutet nicht automatisch, dass der Mieter jedes Jahr auszieht. Und ob polnische Mieter im Landesdurchschnitt tatsächlich häufiger umziehen als deutsche Mieter, lässt sich mit den verfügbaren Zahlen nicht eindeutig belegen.

Dass deutsche Mieter oft länger bleiben, hat außerdem wirtschaftliche Gründe. Wer seit zwanzig Jahren in einer Wohnung lebt, zahlt möglicherweise deutlich weniger als bei einer vergleichbaren Neuvermietung. Ein Umzug wäre dann nicht nur mit Aufwand verbunden, sondern häufig auch mit einer höheren monatlichen Miete.

Überraschend: Polen ist Eigentümerland, Deutschland ist Mieterland

Ein Blick auf die Eigentumsverhältnisse zeigt, wie unterschiedlich die Immobilienmärkte beider Länder aufgebaut sind. Nach Eurostat lebten im Jahr 2025:

87,2 %
der Polen leben im selbst genutzten Eigentum
47,2 %
der Deutschen leben im selbst genutzten Eigentum
52,8 %
der Deutschen wohnen zur Miete – EU-Spitze
Wohnform der Bevölkerung 2025 – Deutschland und Polen im Vergleich (Eurostat)
WohnformDeutschlandPolen
Bevölkerung in Mietwohnungen52,8 %12,8 %
Bevölkerung in selbst genutztem Wohneigentum47,2 %87,2 %

Quelle: Statistisches Bundesamt, Eurostat-Daten 2025

Wichtig: Die Statistik misst den Anteil der Bevölkerung, der in Miet- beziehungsweise Eigentümerhaushalten lebt. Sie sagt nicht, dass 87,2 % aller Polen persönlich eine Immobilie besitzen.

Trotzdem ist der Unterschied enorm. Deutschland hat den höchsten Mieteranteil innerhalb der EU. In Polen spielt selbst genutztes Wohneigentum eine wesentlich größere Rolle.

Die Polen kaufen also keineswegs weniger gerne Immobilien als Deutsche. Im Gegenteil. Der Unterschied könnte eher darin liegen, wie man mit einer bereits gekauften Immobilie umgeht. Während in Deutschland die eigene Immobilie häufig als langfristige Absicherung betrachtet wird, erlebe ich in Polen öfter, dass man sein Eigentum auch als Vermögenswert betrachtet, den man bei Bedarf wieder verkaufen kann.

Die Spekulationsfrist: In Polen fünf Kalenderjahre, in Deutschland zehn Jahre

Ein weiterer Unterschied liegt im Steuerrecht. In Polen kann eine privat gehaltene Immobilie grundsätzlich nach Ablauf von fünf Jahren einkommensteuerfrei verkauft werden. Die Frist beginnt mit dem Ende des Kalenderjahres, in dem die Immobilie gekauft beziehungsweise errichtet wurde.

Ein Beispiel: Wer im Juni 2021 eine Wohnung in Polen gekauft hat, kann diese grundsätzlich ab dem 1. Januar 2027 ohne polnische Einkommensteuer auf den privaten Verkaufsgewinn veräußern.

Dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob die Wohnung selbst genutzt oder vermietet wurde. Entscheidend ist unter anderem, dass der Verkauf nicht im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit erfolgt.

In Deutschland gilt bei privaten Immobilienverkäufen dagegen grundsätzlich eine Zehnjahresfrist. Eine wichtige Ausnahme besteht insbesondere bei selbst genutzten Immobilien, die unter den Voraussetzungen des § 23 EStG auch früher steuerfrei verkauft werden können.

Steuerfreier Verkauf einer privat gehaltenen Immobilie – Fristen im Vergleich
PolenDeutschland
Haltefrist5 Jahre10 Jahre
FristbeginnEnde des Kalenderjahres von Kauf bzw. ErrichtungTag des Erwerbs
Vermietete Wohnunggleiche Frist10 Jahre
Selbst genutzte Wohnunggleiche Frist; vorzeitig steuerfrei über die ulga mieszkaniowa möglichunter den Voraussetzungen des § 23 EStG früher steuerfrei

Quelle Polen: Polnisches Finanzministerium · Quelle Deutschland: § 23 EStG

Gerade bei vermieteten Immobilien oder Kapitalanlagen kann sich ein deutscher Käufer daher von Anfang an auf eine Haltedauer von zehn Jahren einstellen. In Polen ist der entsprechende Zeitraum deutlich kürzer.

In Polen ist ein Verkauf sogar vor Ablauf von fünf Jahren steuerfrei möglich

Was viele nicht wissen: Unter bestimmten Voraussetzungen kann man eine Immobilie in Polen auch vor Ablauf der fünfjährigen Frist steuerfrei verkaufen.

Wer den Verkaufserlös innerhalb von drei Jahren nach Ende des Verkaufsjahres für gesetzlich begünstigte eigene Wohnzwecke verwendet, beispielsweise für den Kauf einer größeren Wohnung oder eines Hauses, kann den Veräußerungsgewinn ganz oder teilweise von der polnischen Einkommensteuer befreien lassen. Diese Regelung nennt sich ulga mieszkaniowa.

Wichtig: Für die vollständige Steuerbefreiung muss grundsätzlich der gesamte maßgebliche Verkaufserlös, nicht nur der Gewinn, entsprechend verwendet werden.

Das macht einen Immobilienwechsel in Polen auch steuerlich interessant. Die Voraussetzungen müssen allerdings erfüllt werden. Für Käufer mit steuerlichem Wohnsitz in Deutschland ist außerdem zu prüfen, welche steuerlichen Folgen dort entstehen.

Quelle: Polnisches Finanzministerium – Immobilienverkauf und Steuerbefreiung

Auch beim ersten Wohnungskauf gibt es Steuervorteile

Wer in Polen erstmals eine Wohnung oder ein Haus auf dem Zweitmarkt kauft, kann unter bestimmten Voraussetzungen von der 2-prozentigen Grunderwerbsteuer (PCC) befreit werden. Bei einer Wohnung für 800.000 PLN bedeutet das immerhin 16.000 PLN Ersparnis.

Voraussetzung ist insbesondere, dass der Käufer bisher grundsätzlich kein entsprechendes Wohneigentum besessen hat. Für bestimmte geerbte Eigentumsanteile gibt es Ausnahmen. Auch diese Regelung kann den Einstieg ins Wohneigentum finanziell erleichtern.

Quelle: Polnisches Ministerium für Entwicklung und Technologie

Ist das eine andere Mentalität oder liegt es am Immobilienmarkt?

Ich denke, dass mehrere Dinge zusammenkommen. Viele Deutsche verbinden mit dem Kauf einer Immobilie Sicherheit, Beständigkeit und Altersvorsorge. In Polen beobachte ich häufiger, dass eine Wohnung auch als veränderbarer Teil der persönlichen Lebensplanung betrachtet wird. Dazu kommen unterschiedliche steuerliche Regelungen und verschiedene Strukturen der Immobilienmärkte.

Man darf allerdings nicht vergessen, dass auch das Alter der Käufer, ihre finanzielle Situation und ihre Erfahrung mit Immobilien eine große Rolle spielen. Ein Deutscher, der zum ersten Mal eine Wohnung in Polen kauft, wird verständlicherweise mehr Fragen stellen als ein polnischer Käufer, der bereits seine dritte Immobilie erwirbt.

Eine Kaufentscheidung im Ausland ist schließlich mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden: andere Sprache, andere Gesetze, ein fremdes Grundbuchsystem und teilweise auch eine andere Währung.

Deshalb würde ich nicht behaupten, dass Polen grundsätzlich risikofreudiger sind oder Deutsche zu vorsichtig. Ich stelle nur fest, dass polnische Eigentümer nach meiner Erfahrung oft selbstverständlicher mit dem Gedanken umgehen, eine Immobilie später wieder zu verkaufen.

Muss man bei einer fast neuen Wohnung, die wieder verkauft wird, misstrauisch werden?

Kommen wir zu der Frage zurück, die mir so viele deutsche Interessenten stellen. Nein, nicht automatisch.

Wenn eine Wohnung erst drei oder vier Jahre alt ist und schon wieder zum Verkauf steht, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass irgendetwas nicht stimmt. Gerade an der polnischen Ostsee erlebe ich, dass Eigentümer ihre Ferienwohnungen nach einigen Jahren wieder verkaufen, weil sie diese weniger nutzen als gedacht oder sich ihre persönlichen Vorstellungen verändert haben. Andere möchten eine größere Wohnung kaufen, wechseln den Standort oder benötigen das Kapital für andere Zwecke.

Natürlich gibt es auch Verkäufe, bei denen tatsächlich Probleme mit der Immobilie bestehen. Deshalb ist es wichtig, vor dem Kauf das polnische Grundbuch, mögliche Belastungen, die laufenden Kosten und den Zustand der Immobilie zu überprüfen. Auch der Verkaufsgrund sollte nachvollziehbar sein.

Aber ich würde meinen deutschen Kunden nicht empfehlen, eine interessante Immobilie allein deshalb auszuschließen, weil der Eigentümer sie bereits nach wenigen Jahren wieder verkauft.

Ein schneller Wiederverkauf ist kein Beweis für eine schlechte Immobilie.

Mein Rat an deutsche Käufer: Gründlich prüfen, aber nicht alles für die Ewigkeit planen

Ich schätze die gründliche Herangehensweise deutscher Immobilienkäufer. Wer mehrere Hunderttausend Euro investiert, sollte genau wissen, was er kauft. Trotzdem muss eine Immobilie nicht zwangsläufig für die nächsten dreißig Jahre passen.

Vielleicht kauft man heute eine Zweizimmerwohnung in Swinemünde und entscheidet sich später für eine größere Wohnung in Misdroy. Vielleicht möchte man irgendwann dauerhaft an der Ostsee leben oder die Ferienimmobilie wieder verkaufen. Das gehört zum Leben dazu.

Wichtig finde ich deshalb, bereits beim Kauf auch an einen möglichen späteren Verkauf zu denken. Wie gut ist die Lage? Gibt es genügend Nachfrage nach vergleichbaren Wohnungen? Wie hoch sind die laufenden Kosten? Bestehen Einschränkungen bei der Nutzung oder Vermietung? Und vor allem: Ist der heutige Kaufpreis so realistisch, dass ein späterer Wiederverkauf wirtschaftlich sinnvoll sein kann?

Das sind Fragen, die ich bei meiner Käuferbegleitung für Immobilien in Polen ebenfalls berücksichtige. Denn eine gute Kaufentscheidung bedeutet für mich nicht nur, dass die Immobilie heute gefällt, sondern auch, dass man möglichst viele Möglichkeiten für die Zukunft offenhält.

Ostsee, Breslau oder Posen

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Mein Fazit: Deutsche wollen häufig bleiben, Polen denken öfter an den nächsten Schritt

Nach meinen Erfahrungen unterscheiden sich die Einstellungen zum Wohnen und zum Immobilienkauf in Deutschland und Polen durchaus. Viele Deutsche möchten eine Immobilie kaufen und möglichst lange behalten. Auf dem polnischen Immobilienmarkt begegne ich häufiger Eigentümern, die ihre Wohnung verkaufen, sobald sich ihre Lebensumstände verändern.

Die Zahlen der polnischen Nationalbank zeigen zumindest, dass die Verbesserung der eigenen Wohnsituation ein wesentlicher Grund für Immobilienverkäufe ist. Ob Polen insgesamt häufiger umziehen oder ihre Immobilien schneller verkaufen als Deutsche, ist statistisch damit noch nicht bewiesen. Aber die unterschiedliche Herangehensweise erlebe ich in meiner täglichen Arbeit.

Vielleicht können deutsche Immobilienkäufer hier sogar etwas von den Polen lernen: Man sollte eine Immobilie sorgfältig auswählen, aber nicht jede Kaufentscheidung als Entscheidung für das gesamte restliche Leben betrachten.

Wenn eine nahezu neue, vollständig eingerichtete Wohnung in Polen nach drei Jahren wieder zum Verkauf steht, muss dahinter nicht gleich ein Problem stecken. Manchmal ist die Erklärung ganz einfach: Der bisherige Eigentümer hat etwas anderes vor.

Häufige Fragen zum Immobilienmarkt in Polen

Warum verkaufen Eigentümer in Polen ihre Wohnungen nach wenigen Jahren?

Häufige Gründe sind veränderte Lebensumstände, der Wunsch nach einer größeren Immobilie, ein Wohnortwechsel oder eine neue Investitionsentscheidung. Laut einer Untersuchung der polnischen Nationalbank war die Verbesserung der Wohnverhältnisse 2025 mit 42 % der häufigste erfasste Grund für Wohnungsweiterverkäufe auf den untersuchten Märkten.

Wie lange muss man eine Immobilie in Polen behalten, um steuerfrei verkaufen zu können?

Beim privaten, nicht gewerblichen Immobilienverkauf grundsätzlich fünf Jahre, gerechnet ab dem Ende des Kalenderjahres des Erwerbs beziehungsweise der Errichtung. Eine im Jahr 2021 gekaufte Wohnung kann daher grundsätzlich ab dem 1. Januar 2027 ohne polnische Einkommensteuer auf den privaten Veräußerungsgewinn verkauft werden.

Kann man eine Wohnung in Polen schon nach zwei oder drei Jahren steuerfrei verkaufen?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Bei der sogenannten ulga mieszkaniowa kann der Veräußerungsgewinn ganz oder teilweise steuerfrei bleiben, wenn der Verkaufserlös fristgerecht für gesetzlich anerkannte eigene Wohnzwecke verwendet wird.

Ziehen Polen häufiger um als Deutsche?

Auf dem privaten polnischen Mietwohnungsmarkt größerer Städte beobachte ich eine hohe Bereitschaft zum Wohnungswechsel. Ein statistisch eindeutiger Nachweis, dass Polen insgesamt häufiger umziehen als Deutsche, liegt anhand der hier verwendeten Daten jedoch nicht vor. Die Mietwohnungsmärkte unterscheiden sich außerdem deutlich hinsichtlich Eigentumsquoten, Vertragsgestaltung und Mieterstruktur.

Sollte man beim Immobilienkauf in Polen bereits an einen späteren Verkauf denken?

Meiner Meinung nach ja. Neben dem Kaufpreis sollten auch Lage, Nachfrage, laufende Kosten, Eigentumsform und mögliche rechtliche Einschränkungen berücksichtigt werden. Eine Immobilie, die sich später gut verkaufen lässt, bietet dem Eigentümer grundsätzlich mehr Flexibilität.

Stand: 13. Oktober 2026. Die steuerlichen Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle steuerliche Beratung.

David Lis, M.Sc.Immobilienmakler (IHK) und lizenzierter Makler in Polen (Nr. 22594 F PPRN) · david.lis@immobilie-polen.de · +49 178 32 32 225

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Immobilienmakler (IHK) · seit 2018 lizenzierter Makler in Polen (Nr. 22594 F PPRN) · zitiert von dpa, Handelsblatt, FOCUS, MDR und rbb